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Traum vom Rad-Café

Es gibt ja so Wünsche, Träume und Vorstellungen, die in einem reifen und wo man sich gefühlt nur selbst im Weg steht bei der Umsetzung. Mein Traum ist der von einer Art Rad-Café wie das Eddy would attack in Nürnberg, oder eine Netzwerk- und Begegnungsstätte, wie da die 718 Cyclery von Joe in Brooklyn. Und mein kleines Ingenieurshirn ist immer auf der Suche nach einem umsetzbaren „Plan“, etwas mit einem „Business-Case“, das dauerhaft funktioniert. Mit „Hand und Fuß“ sozusagen. Und so wird das nie etwas. Das ist mir letzte Woche bewusst geworden, als ich an einer Tanz-Stelle vorbei gekommen bin: eine temporär eingerichtete Kulturstätte in „meiner“ Tankstelle. Pop-up funktioniert nicht nur in der Planung. Einfach ausprobieren und gucken was passiert, funktioniert auch mit Träumen. Hoffe ich.

Ein alter Traum

Mein Traum von einem Fahrrad-Begegnung-Netzwerk-Event-Cafe´ist schon alt. Ich glaube, ich habe ihn das erste Mal 2007 oder 2008 aufgeschrieben und dazu gezeichnet. Zuvor war für mich Vieles unvorstellbar. Die Umsetzung eines solchen Traums gehörte dazu. Er hing an einem alten Haus. Einer Ruine, wenn man ehrlich ist. Und so hörte er sich an:

> Die Abendsonne erreicht den hinteren Teil der kleinen Straße. Im Schatten des Hauses haben an diesem warmen Tag schon viele einen Kaffee getrunken und sich die Räder angeschaut, die draußen und im Laden stehen. Der erstreckt sich vom Haupteingang bis zum hinteren Teil des Hauses, wo die Werkstatt ist. Mehr oder weniger ein großer Raum für Gäste, Präsentation, Arbeiten und Konstruktion. Von hinten hat tagsüber die Sonne den Raum durchflutet. Jetzt verlagert sich das Leben nach vorne. Die ersten BMX´er treffen ein und genießen den späten Nachmittag, schauen sich die neusten Modelle im Online-Shop an, während sie draußen sitzen. Zeit etwas zu essen ist’s auch.
Etwas später, zieht es alle magisch ins Innere. Nur wenige lauschen der Live-Musik draußen sitzend – es wird schon früher kalt draußen. Der Herbst steht vor der Tür. Bis vor Kurzem stand der Tischkicker lange draußen. Jetzt ist er schon umgezogen und steht inmitten des bunten Treibens. Auf dem großen Bildschirm an der Seite Impressionen von der Tour um den Jadebusen zwei Tage zuvor.
Wenn es dann Winter ist, steht die Büroarbeit im Vordergrund. Nur am Wochenende und zu besonderen Aktionen, ist viel Publikum im Café´/Pub. Rund um Weihnachten brummt der Absatz von Rädern und Teilen – vor allen Dingen online. Und schon bald werden die Tage wieder länger und neue Ideen wollen in die Tat umgesetzt werden.
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Das alte Haus steht immer noch (und das ist schon ein kleines Wunder). Ich habe es erst letztes Jahr noch einmal mit dem Besitzer begangen. Eine Community, wie ich sie mir erträume, gibt es in meiner Kleinstadt aber nicht. Und deshalb richtete sich mein Blick irgendwann in meine Geburtsstadt Oldenburg.

2007 oder 2008 dachte ich vor allen Dingen noch an Beratung und Verkauf, als ich meinen Traum im wahrsten Sinne des Wortes zu Papier brachte. Bei der Umsetzung, stehe ich mir hervorragend selbst im Weg und hoffe, dass ich den Knoten jetzt bald löse. Ein Knoten, der vor allen Dingen in meinem Kopf ist.

Rad-Café in der Tankstelle

Die alte Tankstelle an der Ecke zur Kaiserstraße ist vielen Oldenburgern ein Begriff. Das prägnante Dach steht sogar unter Denkmalschutz. Das Gebäude selbst ist eher unspektakulär, klein, verbaut und in die Jahre gekommen. Alles gemeinsam steht auf einem winzigen Grundstück, dass tagsüber von der Sonne verwöhnt wird. Im letzten Jahr beheimatete die Tankstelle ein Pop-Up-Restaurant. 2020 war sicher nicht das einfachste Jahr, um diese Idee umzusetzen. Es war einer dieser oben beschriebenen warmen und vielversprechenden Abende, als ich aus Groningen wieder kam und das erleuchtete Restaurant sah. Ein schönes Bild, dass das Potenzial offenbarte, das ich und viele die die Tankstelle lieben, in ihr sehen.

Ein Pop-Up-Restaurant fand 2020 in der Oldenburger Kult-Tankstelle statt.

Das kleine Grundstück hat ein Investor gekauft, der darauf ein mehrgeschossiges Wohn und Geschäftshaus errichten will. Nach letzten Planungen, soll das Dach der Tankstelle an Ort und Stelle in den Bau integriert werden und sogar von außen sichtbar bleiben. Eine der letzten Aktionen, war deshalb wohl die Einrichtung einer „Tanz-Stelle“ in der Tankstelle. In der man – ganz Corona konform – alleine zu den Beats eines Dj´s tanzen konnte. Diese Idee hat mir die Augen geöffnet.

Ein neuer Pop-up-Traum

Ich weiß, ich werde irgendwann einen Raum gestalten. So oder so ähnlich wie ich ihn vor mehr als zehn Jahren beschrieben habe. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und im Grunde bin ich ungeduldig und möchte auch nicht mehr warten. Die Tanz-Stelle – und zuvor bereits das Pop-Up-Restaurant – hat mir eines ganz deutlich gezeigt: es muss nicht immer alles für immer und beständig sein. Warum also nicht einfach anfangen, einen Raum suchen und Gleichgesinnte. Und so dem „Plan“ (der im eigentlichen Sinne keiner ist) ein wenig auf die Sprünge helfen? Vielleicht entsteht ja innerhalb einiger Monate etwas. Und wenn nicht, auch gut. Das Risiko scheint mir überschaubar. Das Risiko auf der Stelle stehen zu bleiben und dem Traum nicht zur Umsetzung zu verhelfen, scheint mir unfassbar viel höher.

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Folgendes kann ich mir vorstellen: einen Raum rund ums das Thema Fahrrad. Touren und Fahrrad-Werkstätten zum Beispiel für Frauen (wie bei Joe in der 718 Cyclery), Abendveranstaltungen mit Filmen (z.B. Together we Cycle u.ä.), Veranstaltungen und Formate, die gar nichts mit Fahrrädern zu tun haben, aber einen Raum brauchen, der Begegnung ermöglicht, Musik so wie in diesen Sommer, Ausstellungen rund um Mobilität, Logistik und zum Beispiel Lastenräder, wie im Kontext des Innovation Cycle. Eine „Co-Werkstatt“ wie ich sie im Zusammenhang mit dem ersten Innovation Cycle in Bremen kennen lernen durfte. Vielleicht bauen wir auch gemeinsam Prototypen – zum Beispiel für eine verkehrsberuhigte Stadt oder die Wiederbelebung unsicherer und unansehnlicher städtischer Bereiche, fürs Fahrradparken oder neue Formate.

Manche Dinge haben ihre Zeit

Jetzt ist für mich die Zeit gekommen etwas anzupacken. Es war nicht nur meine mangelnde Vorstellungskraft, die mich in den vergangenen Jahren zurück gehalten hat. Das Leben ist ja bekanntlich das was passiert, während wir selbst dabei sind Pläne zu machen. Und diese Idee musste reifen, mein Leben und meine Lebensumstände mussten zur Umsetzung der Idee passen. Das war nicht immer der Fall und gleichzeitig habe ich in vielerlei Hinsicht auf die Umsetzung hingearbeitet, die Grenzen des vorstellbaren für mich verschoben und auch viele Dinge umgesetzt, gelernt und für mich persönlich entwickelt. Auch mit diesem Blog, mit Barcamps, Reisen, Recherchen und Initiativen und einer Art Prototyp im eigenen Haus. Jetzt konkreter zu werden ist immer noch früh, denn ich habe keinen Plan. Und genau darin liegt der Reiz.

Wie so ein Traum aussehen kann? Guck einmal auf diese Pinterest-LIste.
Zur Kalle Co-Werkstatt geht es hier. Ein tolles Beispiel, finde ich.

Disclaimer (vom Ingenieurshirn): Dass ein toller Ort und eine Kaffeemaschine alleine nicht ausreichen, zeigen verschiedene Beispiele. Zum Beispiel auch das von „Off the Bridge“.

Wie es mit der Idee weiter geht, liest Du hier.

Off the Bridge – damals noch direkt am Fuße der Brooklyn-Bridge in Mahattan ist ein toller Standort und Qian ein netter und offener Gesprächspartner. Die Sache mit dem Kaffee zum Fahrrad sieht er nüchtern und verzeichnet auf Sitzplätze und Café-Flair aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen. Er konzentriert sich auf die Werkstatt und bleibt vor allen Dingen alleine.