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Blogbeiträge / Radverkehr

How to: ein Radverkehrskonzept für eine Kleinstadt

Wie bekommt man mehr Menschen aufs umweltfreundliche Verkehrsmittel Fahrrad? Ist das auf dem Land – in einer Kleinstadt – einfacher als in der großen Metropole? Wie entwickelt man Strategien, ein Radverkehrskonzept, wie nimmt man Menschen vor Ort, in der Verwaltung und Politik mit und wird den vielen verschiedenen Anforderungen gerecht?
Wir haben es versucht und sind – wenn man so will – krachend gescheitert. Denn verändert hat sich so gut wie nichts, seit wir unser Konzept vorgelegt haben. Und doch liegt gerade in dieser Erfahrung vielleicht der Schlüssel zum Erfolg. So oder so, ist das Thema Verkehrswende gerade im Kontext der neu entfachten (alten) Klimaschutzdebatte aktueller denn je. Nicht zuletzt deswegen ist es vielleicht genau der richtige Zeitpunkt, zurück zu blicken und aus der Vergangenheit zu lernen.

Lokale Agenda 21 und Klimaschutz

Der Lokale Agenda-Prozess geht auf das Jahr 1992 zurück, als man sich in einem breiten internationalen Bündnis der damals 178 UNO-Mitgliedsstaaten auf einen Handlungsrahmen auf lokaler Ebene geeinigt hat – für eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Fast 30 Jahre ist das her und manch einer reibt sich heute die Augen (nicht nur ich) und fragt sich, wo die Zeit geblieben und vor allen Dingen, wie wenig seither geschehen ist. In Sachen Nachhaltigkeit ebenso wie beim Klimaschutz.

In der Kleinstadt in der ich lebe, kam die so genannte Lokale Agenda 21, Ende der 90iger Jahre an. Verschiedene lokale Gruppen wurden gegründet und erarbeiteten wie vorgesehen Handlungsstrategie und Initiativen. Verschiedene Dinge kamen auf diese Art und Weise ins Rollen und doch blieb der große Erfolg gefühlt vor Ort aus. Und auch überregional fand das Ganze kaum Entsprechung. Nun gibt es die Lokale Agenda hier noch immer und es hat sich eine neue Gruppe Klimaschutz gebildet, die versucht, den aktuellen Entwicklungen rund um die Fridays for Future Bewegung und Klimaschutzbemühungen auf nationaler und internationaler Ebene Rechnung zu tragen, Und zum Glück hat man sich daran erinnert, dass es bereits in den 2000er Jahren strukturierte Bemühungen in Sachen Radverkehr und damit Verkehrswende gab.

Ergebnis der Betrachtungen: ausgewählte Routen um und in die Stadt sollten helfen das Vorgehen zu strukturieren

Radverkehrskonzept und Beteiligung

Am Ende einer langen und intensiven Bearbeitung hatte ein Aktionsbündnis aus örtlichem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) und eben dieser Lokalen Agenda sogar ein Radverkehrskonzept entwickelt und zur Umsetzung vorgelegt. Und zwar in einer bis dato unvergleichlichen Beteiligung sowohl der Öffentlichkeit als auch mit klarem Auftrag der Kommunalpolitik und Einbindung der Verwaltung. Selbst die Stelle eine Radverkehrsbeauftragten wurde im Folgenden ehrenamtlich besetzt. Nur: es half alles nichts. Die Umsetzung wollte nicht so richtig voranschreiten, Fachexpertisen verschwanden (mal wieder) in der Schublade  und am Ende wurde die Verantwortung zurück an die Stadt übergeben.
Rund zehn Jahre ist das her und um es kurz zu machen: das Konzept hat kaum etwas an Aktualität eingebüßt, weil kaum etwas in Angriff genommen wurde. Ein Spiegelbild der Stagnation, die an vielen Stellen fest zu stellen ist. In der ländlichen Kleinstadt ebenso wie in großstädtischen Metropolen. Es scheint wie verhext – allen Lippenbenkenntnissen und dem gesunden Menschenverstand zum Trotz – gibt es immer noch mehr LKW- und Autoverkehr, größere PKW, Verkehrstote und -verletzte, aber kein Umdenken.

Kleinstadt: Verkehr vor allem vor Ort

Ausgangspunkt der damaligen Initiative war das Verkehrsmodell für die Stadt. Das Ergebnis der Betrachtungen war so klar wie ernüchternd einfach: den größten Teil des innerörtlichen Verkehrsaufkommens machen so genannte Ziel- und Quellverkehre aus. Also Wege, die von den Einwohnern innerhalb der Stadt zurück gelegt werden. Zur Arbeit, zum Einkauf, zur Schule oder in der Freizeit. Und wer an der Dominanz des Autos etwas ändern will – weil irgendwie ist das ja zu viel – der muss an das Verhalten des Einzelnen ran. Im Klartext: einzelne Wege, müssten anders zurück gelegt werden, als mit dem Auto. So weit, so schwer und wenig umsetzbar, wie es scheint.
Am Anfang stand daher viel Öffentlichkeitsarbeit, Fahrradtage in friedlicher Koexistenz mit der „Autoschau“ anlässlich eines Frühlingsfestes, Arbeitsgruppen, Interviews mit Radlern aus der Stadt. Das Konzept spiegelt diese Entwicklung wider. Eine Beteiligung am Wettbewerb Fahrradfreundliche Kommune Niedersachsen, Workshops mit interessierten Bürgern, eine eigene Webseite und schließlich die Möglichkeit sich online an der Erstellung eines Konzeptes zu beteiligen.

Das Konzept und damit die Entwicklung in den Jahren 2003 bis 2011 habe ich hier zum Download zur Verfügung gestellt. In den kommenden Wochen werde ich auch verschiedene Blogbeiträge dazu veröffentlichen.

Beitrag zum Wettbewerb Fahrradfreundliche Kommune 2005 und Radverkehrskonzept aus dem Jahre 2007

RVK Varel 2007 

Folgende Teile gehören zu dieser Serie
Radfahren – sicher vor allen Dingen für Kinder
Radverkehrskonzept: Struktur durch Hauptradroutennetz
Radtourismus und Radverkehrsförderung
Radverkehr: irgendwo stecken geblieben