Warum sollte man in einer Zeit noch bloggen, in der man Texte und Content auf Knopfdruck mit KI generieren kann? Wen und was kann man erreichen, wenn die Reichweite vom jeweiligen Algorithmus der Plattform abhängt? Was macht die beschleunigte Entwicklung von KI mit Kreativität und was bedeutet das für persönliche Erfahrung und Lernen? Diese Fragen und auch, ob ich überhaupt noch etwas Sinnvolles beizutragen habe, habe ich mir spätestens seit dem letzten Jahr gestellt. Und für mich im Laufe der Zeit Antworten gefunden: Künstliche Intelligenz macht keine eigenen Erfahrungen, sie setzt keine persönlichen Träume in die Tat um und sie schreibt auch keine Bücher darüber. Unabhängig davon, dass mir das Schreiben, Recherchieren und das Entwickeln von Ideen Spaß macht: meine persönlichen Erfahrungen und Ideen machen einen Unterschied. Dieses Blogjubiläum ist auch deswegen etwas Besonderes, weil wir in einer besonderen Zeit leben. Und ich schon kurz davor war, das ganze Bloggen für mich abzuschließen. Aber ich mache weiter, habe sogar in den letzten Monaten ein weiteres Buch geschrieben, das kurz vor der Veröffentlichung steht und glaube, dass dieser Ort im weltweiten Netz – mein zuhause in der digitalen Welt – einen ganz besonderen Stellenwert hat. Und wer weiß, vielleicht steckt auch etwas für dich darin.
Start 2016
Ich war spät dran, als ich dieses Blog vor zehn Jahren gestartet habe. Schon damals wurde ein persönliches Blog oftmals belächelt und die Notwendigkeit infrage gestellt. Viele stützten sich bereits ganz oder teilweise auf die Funktionen und Reichweiten der bis dato etablierten Plattformen wie Instagram, Facebook oder Twitter. Im professionellen Umfeld haben wir sogar Diskussionen geführt, ob eine eigene Webpräsenz überhaupt noch sinnvoll und erforderlich ist. Manche Unternehmen und auch sogenannte Influencer setzten voll auf einzelne Kanäle. Ich habe meine allerersten Gehversuche in diesem Bereich gemacht, habe viel ausprobiert und vor allen Dingen für mich persönlich Vorteile in einem zentralen Ort „Heimathafen“, dem eigenen Blog, gesehen. Ich habe erst Stück für Stück herausgefunden, wie und mit welchen Themen ich Menschen erreiche und erreichen möchte.
Einige dieser Plattformen und Kanäle, wie zum Beispiel Twitter oder TikTok sind für mich unbenutzbar geworden und bei denen die verbliebenen sind, muss man sich die Frage stellen, wie lange man da noch mitmachen möchte. Für ein kleines Blog wie dieses hier und dessen Sichtbarkeit, bleiben Instagram, mit Abstrichen Facebook und zum Beispiel auch Pinterest wichtig. Wenn diese Sichtbarkeit wichtig und überhaupt erreichbar ist. Ich stelle das deswegen infrage, weil sich eben technisch so viel verändert hat, dass Reichweite unter diesen Umständen nur noch schwer zu erreichen ist. Gute, belastbare digitale Netzwerke, die in persönlichen Kontakten und wertvollen gegenseitigen Kooperationen münden, sogar ungleich schwerer. Mindestens das hat sich in den zehn Jahren, seit dem ich gestartet bin, geändert.

Ein kleines Blog
Ob ein Blog „erfolgreich“ ist, ist schwer zu bewerten. frankys.blog wird im Schnitt von rund 10.000 Besucher:innen pro Jahr besucht (zumindest im Schnitt in den letzten fünf Jahren), 20.000 Seiten werden dabei pro Jahr aufgerufen. Facebook und Instagram, bleiben wichtige Akqusitionskanäle, Pinterest ist eine Art „Dauerbrenner“ und sorgt für stetigen Traffic. Twitter bzw. X, war auch immer ein wesentlicher Faktor, ist jetzt aber Geschichte für mich. Rund ein Drittel der Besucher:innen kommt aber direkt und ohne Plattform auf die Seite.
Ich habe in den letzten zehn Jahren viele Dinge umgesetzt, die ich wahrscheinlich ohne dieses Blog so gar nicht in Angriff genommen hätte. Dazu zählen Auslandsaufenthalte, ein erstes Buchprojekt, die Pop-up-Initiativen und Einiges mehr. Schwer zu sagen, ob das Blog Auslöser oder Begleiterscheinung war. So oder so, habe ich die Entwicklungen und meine ganz persönliche Lernreise hier im Blog nachvollzogen. Und so kommt es, dass 2023, als ich das Rad-Café in Varel ins Leben gerufen habe und zum Ende des Jahres das Pop-up Projekt in der alten Tankstelle in Oldenburg gestartet habe, rund 15.000 Menschen auf dieser Seite waren. 2024, als das „Frankys“ mit zahlreichen Aktionen Fahrt aufnahm, waren es noch einmal rund 13.000 Besucher:innen. Die vor allen Dingen auch den Veranstaltungskalender genutzt und abonniert haben, um sich über die Vielzahl unterschiedlicher Termine zu informieren. Einen Newsletter habe ich auch ausprobiert, fand das aber mit rund 200 Abonnenten und wenig Feedback wenig erfolgversprechend und habe es wieder eingestellt.

Goldene Blogger und NDR Bericht
Nachdem ich bereits 2021 beim Fahrradblog des Jahres mit einem guten vierten Platz ausgezeichnet wurde, hat mich die Nominierung für den Goldenen Blogger 2023 nach vorne gebracht. Die Berichterstattung in der Presse und dann auch mit einem Beitrag für das NDR-Fernsehen und die Sendung DAS! (mit dem roten Sofa) haben zu zahlreichen Besucher:innen im Blog geführt – 2.000 alleine im März 2023. Und im Oktober waren es dann noch einmal genauso viele Besucher:innen in einem Monat, als ich mit dem Pop-up Frankys gestartet bin.Ich konnte die Reichweite gut gebrauchen, weil das erste Buch Ende 2022 erschienen war und das Rad-Café in Varel unverhofft Realität wurde. Die Aufmerksamkeit auf vielen unterschiedlichen Kanälen, unter anderem mit zahlreichen überregionalen Podcasts, Zeitungs- und Radiobeiträgen, war Wind unter meinen Flügeln und für persönliche Anliegen und Projekte. Reichweite war zu diesem Zeitpunkt hilfreich. Alles, was in dieser Zeit passiert ist, habe ich so nicht geahnt oder zu hoffen gewagt. Zum Fünfjährigen 2021 schrieb ich: „Und wer weiß: vielleicht steht am Ende der Geschichte ein Buch über das Radfahren in einem Rad-Café. Und wir treffen uns dort.“ Da war noch nicht einmal klar, dass das Buchprojekt abgeschlossen und das Buch gedruckt werden würde. Vom Rad-Café konnte ich buchstäblich nur träumen.
Im Schnitt drei Artikel pro Monat
Ich habe in den letzten zehn Jahren rund 366 Beiträge verfasst – im Schnitt drei pro Monat. Im letzten Jahr dachte ich wie gesagt bereits ans Aufhören. Und habe mich zum Glück umentschieden. Ich weiß nicht, was als nächstes kommt und ob es zum Beispiel mit der Rad-Café-Pop-up-Idee weiter geht. Aber auch den Mut dazu ein zweites Buch zu schreiben, führe ich auf dieses Blog zurück. Ich hatte nie vor auch nur ein einziges Buch zu schreiben. Vielleicht wäre ich auch ohne Blog für einige Wochen 2018 nach New York gereist. Die selbstgestellte Aufgabe dort in Sachen Radverkehr und Stadtplanung zu recherchieren und die Ergebnisse unmittelbar im Blog zu verarbeiten, haben aber auf jeden Fall geholfen. Nicht zuletzt war diese Arbeit Quelle und Antrieb das erste Buchprojekt anzufangen. Und seitdem habe ich außerdem bereits zwei Pop-up Prototypen selbst initiiert. Nichts von alledem, könnte eine Künstliche Intelligenz jemals erdenken oder gar erträumen und dann darüber schreiben. Und so unzureichend ich mir selbst manchmal, aber auch die digitalen sozialen Netzwerke mit ihren Algorithmen erscheinen: mit einem eigenen Blog Teil dieses Netzwerks zu sein und Gedanken zu teilen und Initiativen zu starten, ist lehrreich und bringt unheimlich viel Spaß.
