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Blogbeiträge

Noch einmal „kurz“ raus

Die Tage sind ungewöhnlich warm für Oktober. Wer freut sich nicht über eine Tour in kurzen Radklamotten Mitte des Monats? Noch einmal „kurz“ raus. Oder eine Urlaubswoche mit sommerlichen Temperaturen an der Ostsee zum Monatswechsel zuvor. Dass die Sommer nicht nur unfassbar heiß sind, sondern auch nicht zu Ende gehen wollen, ist schon seit einigen Jahren das neue Normal. Ich kann das immer noch nicht einfach so hinnehmen, oder ohne schlechtes Gefühl einfach so genießen. Die Welt verändert sich und wir sind live dabei.

Goldener Herbst

Die Wiese hinterm Haus ist frisch gemäht, das löste schon immer irgendwie ein befriedigendes Gefühl in mir aus. Die Tage werden kürzer und wir schneiden auch die Büsche und Bäume zurück. Es ist am Morgen so warm, dass wir noch einmal draußen frühstücken können. In dem Wissen, dass jetzt die dunkle und normalerweise nasskalte Jahreshälfte vor uns liegt, werden diese Momente besonders wertvoll. Wir sammeln Sonnenstrahlen ein, wie die kleine Maus Frederick in dem herzerwärmenden Kinderbilderbuch.
Während sich am Sonnenstand im Verlaufe des Jahres bis auf Weiteres hoffentlich nichts ändert, ist die Veränderung des Klimas etwas, das man schon lange nicht mehr ignorieren kann. Und auch wenn ich es genieße draußen zu frühstücken oder noch einmal mit dem Rad bei sommerlichen Temperaturen auf Tour zu sein, sind damit nicht uneingeschränkt gute Gefühle verbunden. Die dunkle Jahreszeit fordert mich heraus und genauso herausfordernd finde ich die Unausweichlickeit mit der die Klimakatastrophe auf uns zurollt.

Wenig hilft wenig

Bei uns hat sich an und im Haus in den letzten knapp zwei Jahren Einiges getan. Mit der Kombination aus Wärmepumpe, Solaranlage mit Speicher und Wallbox samt E-Auto gehören wir aber wohl immer noch zu einer Minderheit in Deutschland. Trotz erheblicher Investitionen und dem Wunsch das mehr als 25 Jahre alte Niedrigenergiehaus auf einen neuen Stand zu bringen, fühlt sich auch das nicht wie eine Lösung für die sich abzeichnenden Probleme an. Oder um es anders zu sagen: es ist gut zu wissen, dass die Wärmepumpe auch bei minus vierzehn Grad funktioniert. Das dumpfe Gefühl, dass die Berichterstattung rund um einen „super El Niño“ und seine weltweiten Folgen hat, wird dadurch nicht beruhigt. Ironischerweise könnte es gerade hier durch das Wetterphänomen das die globale Mitteltemperatur nach oben treibt, besonders kalt werden diesen Winter. In meinem Elternhaus muss immer noch eine Ölheizung gegen die Kälte schützen. Und insgesamt sind wir viel zu langsam unterwegs, wenn es darum geht von Gas und Öl wegzukommen.

Tagebucheintrag

Diese Relexion ist im übrigen nichts weiter als ein neuer Tagebucheintrag in meinem digitalen Weblog (Blog). Ich habe keine Lösung für die widerstrebenden Gefühle, die sich durch die Freude an Sonne und Natur einerseits und die apokalyptischen Dimensionen der Klimakatastrophe andererseits, ergeben. Ich frühstücke in der Sonne radle durch den warmen Tag in meiner kurzen Hose und genieße das Wetter. Und gleichzeitig habe ich diese Gefühle. Die sich aus der bevorstehenden dunklen Jahreszeit speisen und dem Wissen, dass die Welt nicht in Ordnung ist, wenn es immer wärmer wird.
Zum Ende meiner 30-Kilometer-Tour komme ich an unserem neuen Bikepolo-Platz vorbei. Rund ein Jahr nachdem wir den für uns entdeckt und mobile Banden besorgt haben, wird die Fläche neu asphaltiert. Und ich freue mich schon auf das kommende Jahr und darauf hier spielen zu können.