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Radreisen

Mit Kindern per Rad auf Tour

Auf welche Art und Weise Rad fahren mein Leben verändert hat und welches Veränderungspotenzial ich im Rad fahren sehe, habe ich in verschiedenen Artikeln hier bereits beschrieben. Das ist übrigens nichts, was mir zu jeder Zeit bewusst war, sondern eine Erkenntnis, die sich auch mit dem Schreiben im Blog und der Reflexion im Laufe der Zeit ergeben hat. Spannend finde ich, dass vor allen Dingen auch die lange zurück liegenden Erfahrungen und Touren immer wieder für Interesse und Aufmerksamkeit sorgen. Ich stöbere also nicht nur in meinem alten Erinnerungen wie in einem Fotoalben mit verblassten Aufnahmen. Vielmehr bieten die Geschichten rund ums Rad fahren auch heute, Jahre später, noch einen interessanten Anlass zur Unterhaltung. Und doch war es tatsächlich so, dass ich alte Bilder durchgeschaut habe, als ich feststellte: ich bin nicht nur früh alleine und zum Beispiel mit Freunden und meinem Bruder Rad gefahren. Immer wieder bin ich auch mit meinen Söhnen, einzeln und zusammen, auf großer Reise gewesen. Keine tausende Kilometer, sondern kindgerecht und trotzdem abenteuerlich.

Tandemtour in der Region

Mein großer Sohn war sechs oder sieben, als ich eine der ersten Schleppstangen für uns entdeckte. Sie verwandelte unsere beiden Räder zu einem Tandem, das wir unter anderem im Alltag nutzten und um eine mehrtägige Tour in der Region zu unternehmen. Ich weiß gar nicht, wie wir darauf kamen, aber ich meine mich zu erinnern, dass es mein Sohn war der den Plan dazu entwickelte. Schon damals hatte ich ein Gespür dafür, dass da Abenteuer und gleichzeitig exklusive Gemeinsamkeit in der Luft lag, als wir zusammen unterwegs waren. Ein Schleppstangen-Tandem unterstützt das Zusammengehörigkeitsgefühl, während Fragen von Durchhaltevermögen und Streckenlänge in den Hintergrund treten. Man bewegt sich gemeinsam und ist trotzdem unabhängig. Vor allen Dingen kann sich der Jüngere auf den Größeren verlassen. Und zwar sowohl in Sachen Verkehr und Sicherheit und auch in Hinblick auf Kraft und Ressourcen. Und andersherum ist es natürlich auch für den Erwachsenen im Bunde entspannend. Denn Fahrsicherheit und Verantwortung und alles was an Aufmerksamkeit damit verbunden ist, wird stark reduziert. Weil es eben kein Tandem, sondern eine Schleppstange ist, können beide Reisende auch unabhängig voneinander radeln. Zum Beispiel vom Campingplatz zur Eisdiele oder auch auf Streckenabschnitte der Tour. Das etwas andere Tandem hat uns auf jeden Fall eine besondere Erfahrung und ein insgesamt unvergesslich Vater-Sohn-Erlebnis ermöglicht. Die Schleppstange hängt hier noch im Schuppen und freut sich schon auf weitere Vater-Kind- oder Großvater-Enkelkind-Abenteuer.

Mit Kinderanhänger auf Tour

Als unser zweiter Sohn geboren wurde, haben wir recht bald einen gefederten Fahrradanhänger besorgt. Vor allen Dingen um vor Ort unabhängig vom Auto mobil sein zu können und auch als Begleiter im Familienurlaub. Vielleicht war es sogar meine Idee, dass wir zu dritt – also ich mit beiden Söhnen – eine mehrtägige Tour starten könnten. Seit der Tandemtour zu zweit waren schon einige Jahre vergangen und die Idee selbstbestimmt und unabhängig unterwegs zu sein, begeisterte uns alle drei. Zunächst war ich noch etwas unschlüssig, wie sich das Sitzen im Hänger über eine längere Strecke auf den Kleinsten auswirken würde. Es zeigte sich jedoch schnell, dass die relative Bewegungslosigkeit durch die Eindrücke und Abwechslung im Verlauf mehr als kompensiert wurde. Außerdem ließen wir uns als kleine Gruppe viel stärker von unseren individuellen Bedürfnissen nach Pausen und Beschäftigung lenken, als ich das sonst von Radtouren kannte. Und das war gut so. Auch wenn wir nicht alles bis ins kleinste Detail geplant hatten und sogar vor einem längst geschlossenen Campingplatz standen oder das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machte: irgendwie gab es immer für alles eine Lösung. Und diese Art von Unwägbarkeiten führte uns drei und auch die Jungs irgendwie eng zusammen. Gemeinsam im Iglu-Zelt zu liegen und zu lesen, weil es draußen unaufhörlich regnet, kann unfassbar nervig sein. Oder in all seiner Unausweichlichkeit eine Erfahrung, die Verbindung stiftet.

Brüderlich auf dem Rad*

Meine Beobachtung: irgendwie schien es den beiden Brüdern so zu ergehen wie mir mit meinem Bruder Jahre zuvor. Klar waren wir unterschiedlich und im Alltag fast schon aus Prinzip uneinig. Aber gemeinsam auf den Rad waren wir irgendwie aufeinander angewiesen, unter uns und auf besondere Art und Weise nah. Erst kürzlich habe ich von meiner ersten Solotour berichtet und den Erfahrungen des alleine Radfahrens. Und auch zu zweit, ist man irgendwie nicht weniger alleine. Auf dem Rad strömt alles viel unmittelbarer auf Dich ein: Wind und Wetter ebenso wie Eindrücke und die eigenen Bedürfnisse. Nach Schutz und Versorgung, Unterkunft und Essen Entspannung nach der Anstrengung, alleine zu sein und miteinander in Kontakt. Und ich glaube, dass darin ein verbindendes Element ist. Auf den Bildern der Tour sehe ich die Jungs, die nicht nur alleine und mit sich zufrieden scheinen oder die Enge des Zeltes als gegeben akzeptieren. Vielleicht sogar als angenehm und die reizarme Umgebung als entspannend. Ich sehe sie auch so, wie ich sie sonst vielleicht selten sah. Der große Bruder mit dem jüngeren auf dem Arm. Wie dieser ihm Dinge zeigt und der Kleinere sich diese auch zeigen lässt.

Immer wieder ab aufs Rad

Die Radtouren mit meinen Söhnen fanden im Laufe der Jahre immer wieder Fortsetzungen. Da waren Städtereisen per Rad dabei und internationale Trips. Zuletzt waren wir als Gespann auf einer mehrtägigen Tour durch Dänemark unterwegs. Mittlerweile sind meine Söhne beide erwachsen. Die Erfahrungen und die Begeisterung für diese Art zu reisen und Fahrräder als Transportmittel sind geblieben. Ich bin gespannt was als nächstes kommt.

*Schwestern kennen das auch

Ja, hier ging es jetzt viel um Söhne, Jungs und Brüder. Dass auch Schwestern das erleben was ich hier beschreibe (und ganz sicher auch Brüder und Schwerstern) zeigt das Beispiel von Martina & Sophie hier im Blog. Eine tolle Geschichte, finde ich, über das gemeinsame Reisen, Grenzen und wie man sie zusammen überwindet.