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Blogbeiträge

Zur Halbzeit: 2026 kann unerwartet

Also ich hätte zum Jahreswechsel nicht erwartet, dass ich noch ein weiteres Buch schreibe. Jetzt liegt das Manuskript schon beim Verlag. Auch das eine Katze bei uns einzieht, war so nicht geplant. Und nach knapp sechs Monaten möchte ich sie nicht mehr missen. Das unser Bus „Kalle“ bei uns bleibt, war zu Jahresbeginn eine fromme Hoffnung. Jetzt hat er uns ein paar abwechslungsreiche Wochen in Slowenien und Kroatien beschert. Es gab hier in der ersten Jahreshälfte, wie geplant, ein Bikepoloturnier und erneut ein Barcamp an der Küste, aber kein Picknick im Garten. Ich bin gespannt, was die zweite Jahreshälfte mit sich bringt an kleinen und größeren Überraschungen. Die greifbare Klimakatastrophe stimmt mich ebenso nachdenklich und wenig zuversichtlich wie die technische und politische Entwicklungen. Auch darum geht es in diesem tagesaktuellen Blogbeitrag. Und um Positives in Sachen Erinnerungskultur hier vor Ort in den friesischen Kleinstadt.

Wunderkiste

Als ich zum Jahreswechsel über 2026 nachgedacht habe, habe ich dazu ein Bild geskribbelt. Das erschien mir in mancher Hinsicht unvollständig und darum habe ich als „Platzhalter“ einen großen Karton gezeichnet. Für all die Überraschungen, die so ein ganzes Jahr für einen bereithält. Als erstes sprang aus diesem Karton ein kleines schwarzes Kätzchen in unser Leben. Das seither unser ständiger Begleiter ist. Wir hatten immer wieder überlegt, ob wir erneut eine Katze haben möchten. Diese ist uns zugelaufen und hat bei uns eine neues Zuhause gefunden.
Als nächstes, habe ich aus diesem Karton die Idee für ein weiteres Buchprojekt gezogen. Und dann alsbald angefangen zu schreiben und diesen Teil sehr schnell abgeschlossen. Es soll um die Erfahrungen mit dem Rad-Café in Varel und dem Pop-up „Frankys“ in Oldenburg gehen. Nachdem ich verschiedene Stimmen dazu eingefangen habe, liegt das fertige Manuskript jetzt beim Verlag. Ich hoffe, dass ich bald einen Veröffentlichungstermin nennen kann. Das zweite Buch ist tatsächlich als eine Art Fortsetzung des ersten Buchs zu verstehen und ich hoffe es findet seiner Leser:innenschaft. Ich glaube, dass das nicht nur für Beteiligte und interessierte Oldenburger und Oldenburgerinnen spannend ist, sondern für jeden/jeden der oder die solche Ideen in die Umsetzung bringen möchte.

Kalle und Kroatien

Unser VW-Transporter benötigte Anfang des Jahres unerwartet viel Zuwendung. Und es war nicht ganz klar, ob wir ihn behalten und er dann zum Beispiel für den geplanten Sommerurlaub zur Verfügung steht. Wir haben investiert und sind im vergangenen Monat über Österreich und Slowenien nach Kroatien gefahren. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und sind in einer großen Schleife über die Adriaküste in Istrien, die Inseln Cres und Krk, das Festland mit dem Nationalpark Plitvicer Seen und vom südlichsten Punkt unserer Tour, Zadar zurück an der Küste nach Slowenien gefahren. Das war eine spannende und abwechslungsreiche Reise mit rund 3.500 Kilometern Fahrt mit dem mehr als zwanzig Jahre alten Gefährt. Mit an Bord waren unsere Cannondale Fahrrad-Oldtimer (von 1988 und 1997). Als nächstes soll es noch einmal in den Osten Polens gehen – zehn Jahre nach der ersten großen Tour mit dem VW-Bus 2016.

Von der Zuversicht

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, war es in Deutschland bereits ungewöhnlich warm für einen Juni. Am darauffolgenden Wochenende erreichte Zentraleuropa eine nie zuvor gekannte Hitzewelle. Mir fällt es schwer unter dem Eindruck dieser Temperaturen und ihrer Auswirkungen zuversichtlich zu bleiben. Vor einigen Jahren – im August 2021 – habe ich die Tage vor dem Hintergrund der verschiedensten Entwicklungen als „schwarze Tage“ zusammen gefasst. Damals konnte ich schlecht schlafen – genau wie in diesen Nächten jetzt mit tropischer Wärme. Alleine die Auswirkungen der Klimaerwärmung nagen an mir. Hinzu kommen die umwälzenden Zukunftsszenarien rund um das Thema KI und nicht zuletzt die politischen Rahmenbedingungen – hierzulande und international. Ich weiß nicht wie es euch geht: Mir fällt es oft schwer zuversichtlich zu bleiben und nicht in Fatalismus zu verfallen. Was bleibt dir oder mir als Einzelner oder Einzelnen zu tun? Wie kann ich den bedrohlichen Entwicklungen entkommen und nicht das Gefühl haben, bei vollem Bewusstsein zur Schlachtbank geführt zu werden? Ich habe keine befriedigende Antwort darauf.

Erinnerungskultur

Als ich das hier schreibe, komme ich gerade von einem neuen Ort der Erinnerung in meiner Kleinstadt Varel zurück. Hier im Nordwesten, im Alten Oldenburger Land gibt es eine wenig rühmliche Geschichte, wenn es um die NS-Zeit geht. Und gerade in den vergangenen Wochen und Monaten keimt eine – für mich wahrnehmbare – bemerkenswerte Erinnerungskultur. Aktuell habe ich das so genannte „Weinberghaus“ besucht. Das in den vierziger Jahren als Altenheim für Menschen jüdischen Glaubens diente, deren Geschichte und die der Familie oft mit Deportation und dem Tod endete. Die Ausstellung ist eindrucksvoll, die Erkenntnis was hier geschah bedrückend. Ein Besuch lohnt sich.
Erst vor wenigen Wochen, habe ich den Auftakt für eine virtuelle Ausstellung besucht. Es geht und ging um die Forschungen zu einem vergessenen Kapitel der deutschen und Vareler Nachkriegsgeschichte: In Varel gab es das größte Alten- und Pflegeheim für so genannte Displaced Persons (kurz DP). Menschen die aufgrund des Krieges hier gelandet waren und aus verschiedenen Gründen nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten. Auch diese historische Aufarbeitung ist höchst spannend und die neuen Erkenntnisse machen auch Mut. Zu sehen ist diese Ausstellung online hier: https://displacedpersonsvarel.nghm-uos.de/

Das Weinberghaus ist ein neuer Ort der Erinnerungskultur in Varel.