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Blogbeiträge / Radverkehr

Testfahrt Podbike Frikar

Ich weiß nicht mehr genau wie ich auf das vierrädrige Frikar Kabinenrad von Podbike aufmerksam wurde. War es eine Online-Add oder die ersten Berichte über Preise? Auf jeden Fall erschien mir das Preis-Leistungsverhältnis von vornherein gut. Ich habe mich schon häufiger mit vollverkleideten Rädern beschäftigt, die meist nicht unter 10.000 Euro zu bekommen sind. Selbst gebraucht sind die Bikes sehr wertbeständig – sprich: teuer. Und vor allen Dingen für mich einfach zu klein. Mit 1,95 Meter Größe ist es schwer selbst in ein Serienfahrzeug wie den Renault Twizzy zu kommen. Für Kanbinenfahrräder, bin ich fast immer rund 10 Zentimeter zu groß. Und nachdem diese Frage positiv beschieden wurde – das Rad ist von 1,50 bis 2 Meter Körpergröße geeignet – habe ich im Februar dieses Jahr eine Per-Order abgegeben. Mit 300 Euro ist man dabei und jetzt gab es die erste Probefahrt mit den Vorserienfahrzeugen. In einem Autohaus in Oldenburg.

Titelbild: Podbike

Frikar Kabinenrad

Ein vollverkleidetes Liegerad – so heißt das nämlich – erscheint wie die ultimative Lösung vieler Probleme. Vor allen Dingen dann, wenn es elektrisch angetrieben ist. Die Karosse schützt nicht nur vor Wind und Regen, sie macht das Fahrzeug auch aerodynamisch. Solche Velomobile, wie das Alleweder, das Leitra oder auch ein Twike schließen scheinbar eine Lücke im System. Und zwar überall dort, wo lange Strecken über das ganze Jahr, also auch bei unbeständigem Wetter, zurück gelegt werden wollen. Bei genauer Betrachtung, haben diese Fahrzeuge aber auch ihre Tücken. Abgesehen vom Preis, ergeben sich Fragen zur Zulassung (Fahrrad oder Auto), Sicherheit, Sichtbarkeit und der Rundumsicht, der Zuladung, zum Beifahrer, der einfachen Einstellbarkeit auf verschiedene Nutzer (sehr groß, sehr klein – teilweise in einem Haushalt), der Reichweite, dem Antrieb und zum Beispiel auch der Lüftung. So ein Velomobil ist halt kein Auto, die wertvolle Energie will man nicht in Heizung oder Gebläse stecken und die Menschen im Innern bewegen sich auch noch kräftig und erzeugen selbst Wärme und Feuchtigkeit. Auf all diese Fragen hat Podbike Antworten gefunden. Und einen ansprechenden Preis darunter geschrieben. So dass ich mich schnell entschieden habe einzusteigen, nachdem ich mich zuvor immer wieder mit den Vor- und Nachteilen dieser Fahrzeuggattung beschäftigt habe.

Podbike hat Antworten

Das Podbike Frikar ist ein Pedelec, es unterstützt bis 25 km/h elektrisch, die Höchstgeschwindigkeit ist nur mit Muskelkraft (bergab) erreichbar und liegt bei 60 km/h. Folglich braucht man weder Führerschein noch Kennzeichen und fährt auf dem Radweg. Unter den dafür geltenden Voraussetzungen (Benutzungspfllicht). Und da sind wir schon bei dem Grund, warum dieser Beitrag in der Rubrik „Radverkehr“ steht (ein weiterer ist, dass es bei mir so etwas wie „Test & Technik“ nicht im Blog gibt): ein Velomobil, ein Liegerad oder auch ein Lastenrad stellen unsere Infrastruktur vor echte Herausforderungen. Dass ein solcher Flitzer wie das Frikar Diskussionen zu Sicherheit, Sichtbarkeit und Rundumsicht auslöst, hat weniger mit dem Fahrzeug selbst, als mit allen anderen Fahrzeugen auf der Straße zu tun. Das Problem das wir hier sehen, haben viele kleinere oder so genannte „schwächere“ Fahrzeuge. Weil das „Wettrüsten“ auf der Straße sogar für kleine PKW ein Problem darstellt. Weil wir das so zugelassen haben. Die Antwort von Podbike bleibt: das Frikar ist ein Fahrrad.
Es verfügt über einen Überrollbügel, eine kuppelartige, großflächige Verglasung, die sich nach hinten und oben öffnen lässt, vier Räder, 60 bis 90 Kilometer Reichweite pro Batterie (bis zu zwei Stück können in Reihe verbaut werden), 90 Kilo Gewicht, insgesamt 200 Kilo zulässiges Gesamtgewicht, einen wartungsarmen Riemenantrieb, 160 Kilo Stauraum, Platz für ein Kind, Gebläse, eine Heizung, Scheinwerfer und sogar eine Anhängerkupplung (Weber). Kurz: ein rundum überzeugendes Konzept.

Testfahrt im Regen

Das Kleingedruckte: ein Kabinenrad ist laut. Ich vergesse es immer wieder, aber schon auf den ersten Metern fällt es mir wieder ein. Das ist halt Leichtbau mit akustischer Resonanz – auch in eine schwere Karosse will man seine Energie nicht investieren. Ein paar Meter weiter passiert was passieren muss: ein Auto steht schon halb auf dem Radweg, bevor der Fahrer mich sieht. Doppelte Ironie: das Auto fährt vom Hof des Autohauses, wo die Show stattfindet. Und: es hätte mir mit jedem anderen Rad auch passieren können. Das ist mein Alltag. Und daran das Autohäuser eine „Fahrradabteilung“ haben, gewöhne ich mich auch noch.

Es regnet und stürmt an diesem Tag. Beste Voraussetzungen für eine Testfahrt. Es gibt einen Scheibenwischer, aber der funktioniert bei diesem Vorserienmodelle noch nicht. Trotzdem hat man eine gute Sicht. Der Einstieg geht schnell und bequem, das Fahren fühlt sich sehr natürlich an. Komischerweise möchte ich mich anschnalle. Auf dem Fahrrad. Keine Pointe. Was soll ich sagen: es gibt nichts zu bemängeln. Um dem Beschlagen der Scheibe entgegen zu wirken gibt es vorne und hinten am Verdeck einen Spalt. Dieser genial einfache Schachzug zur Durchlüftung funktioniert auch an diesem regnerischen und kalten Oktobertag. Wie es auf langen Strecken aussieht, bei viel Bewegung, bei kälteren Temperaturen? Ich denke, man wird es herausfinden und für sich lösen können.

Frikar startet durch

3.200 Pre-Order gibt es bereits für das Frikar. Die meisten in Norwegen und Deutschland und darum startet man hier auch mit den Events für Testfahrten. Jeweils rund 90 Menschen pro Aktionstag haben eine Testfahrt ergattert. Die Begeisterung für das Frikar ist groß. Jemand aus Düsseldorf fährt einfach so mit nach Oldenburg, um auf deutsch zu unterstützen. „Ich hatte am Wochenende nichts vor“ sagt er. Ein Mann aus Berlin flog kurzerhand nach NRW, weil der Zug ausfiel und er das Rad unbedingt sehen wollte, Dabei, berichtet mir die Marketingchefin Janet, hatte er nicht einmal eine Testfahrt buchen können. In Oldenburg kommt ein ähnlicher Kandidat extra aus Schwerin und rückt glücklich nach. Die Orte der Tour wurden nach den Schwerpunkten der Vorbestellungen und dann anhand der Vertriebspartner ausgewählt. So kommt es zu der Veranstaltung in Oldenburg bei Firma Senger. In Zukunft hofft man auf Partner und erste Nutzer, die die Räder dezentral zur Verfügung stellen. Der überwiegende Teil der zahlreichen Interessenten ist männlich und 45+ (also so wie ich). Aber auch Frauen unterschiedlichen Alters spricht das Frikar an, sagt Janet. Nicht nur die Marketingchefin selbst. Sie ist sichtlich überrascht und angetan von der spontanen Unterstützung allerorten und der Begeisterung für das Frikar hier in Deutschland. Und ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Mehr zum Podbike Frikar E-Bike gibt’s hier.

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