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Blogbeiträge

Fahrrad-Schnitzeljagd in Budapest

Dieser Tage war ich in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Ich habe auf dieser Reise meinen Sohn begleitet, der in den kommenden Monaten in Budapest studiert. Die Stadt stand schon lange auf meiner persönlichen Recherche- und damit Reiseliste, weil sich aus der Ferne betrachtet einiges in Sachen Radverkehr tut. Und ich habe mich über die Gelegenheit des Besuchs gefreut, auch weil Budapest eine der schönsten Städte Europas sein soll. Die Suche nach einem geeigneten Rad für meinen Sohn Joel, erwies sich als eine Art Schnitzeljagd durch die Donaustadt. Eine Suche mit einem bemerkenswerten Ende, die mich durch die Fahrrad-Gemeinde der Stadt führte und am Ende durch einen Plattfuß und Kommissar Zufall gelöst wurde.

Budapest per Fahrrad

Rad fahren in Budapest macht Spaß und tatsächlich tut sich hier Einiges. Die Suche nach einem Fahrrad führt mich an diesen Tagen quer durch die Stadt. Natürlich steuere ich dabei vor allen Dingen die Fahrradläden an. Sicher könnte man auch über Online-Kleinanzeigen suchen. Aber Sprache und auch regionale Eingrenzung erweisen sich als schwierige Herausforderungen. Zum Glück hatte ich eine Art Tipp-Geber: mein Bikepolo-Freund Gabor lebt in Budapest und gab sich allergrößte Mühe uns zu unterstützen. So hatte ich eine Liste von Läden und wir fanden selbst auch den einen oder anderen auf den Wegen durch die Stadt.

Das Objekt der Begierde: ein Stahlmountainbike aus vergangenen Tagen. Es soll die Bordsteine und den kommenden Herbst und Winter weg stecken. Besser vielleicht, als die allseits (und vor allen Dingen bei jungen Studierenden) beliebten und weit verbreiteten Renn- und Cityräder. Schon bei den ersten Gesprächen wird deutlich: die Wahl ist ungewöhnlich, aber aus Sicht der Rad-Community nicht verkehrt. Und es zeigt sich auch: die Engpässe in Sachen Fahrrad und -teile, sind auch in Ungarn angekommen. Und die Preise sind folglich hoch. Selten ist im Laden ein entsprechendes Rad unter 300 bis 400 Euro zu haben.

Schnitzeljagd durch die Läden

Es gibt eine ganze Reihe von Fahrrad-Läden in der Stadt und ich finde viele Ansprechpartner, die mir freundlich Auskunft geben. Nicht wenige Schrauber bereiten gebrauchte Räder auf und ich hangle mich von einem Laden zum nächsten. Manche Läden findet man im historischen Zentrum und einige Fahrten führen mich weit in die Außenbereich der weitläufigen Stadt. Gleichlautende Straßenamen in unterschiedlichen Bezirken machen die Suche nicht einfacher. Unterwegs bin ich mit meinem Bikepolo-Singlespeed. Sagen wir: ich lerne der Stadt gut kennen. Die Erfolgsaussichten scheinen dennoch gering: das begehrte Rad, scheint nicht so ohne Weiteres zu finden zu sein. Also doch ab ins Internet?

Ein Plattfuß weit draußen

Irgendwo an einem entfernten Punkt der Stadt habe ich einen Platten: ein Dorn hat sich durch den Mantel gebohrt. Mein Sohn dirigiert mich aus dem Hörsaal heraus online zu einem Fahrradladen, den ich nach knapp 2,5 Kilometern Spaziergang erreiche. Auch hier erhalte ich freundliche Unterstützung und nachdem ich den Plattfuß geflickt habe, richte ich meine gebetsmühlenartige Frage an den Helfer. Er würde keine gebrauchten Räder verkaufen, aber er gibt mir die Adresse von einem Freund.

Ein altes Stahlmountainbike? Nein, so etwas habe er nicht, sagt dieser Freund mit erhobenen Augenbrauen. Obwohl… Zwischen den Rädern neben dem Eingang zieht er ein noch unbenutztes Giant hervor. Unbenutzt heißt: auf diesem Rad, ist noch nie zuvor jemand gefahren. Es ist fabrikneu, verfügt über Daumenschalthebel am Lenker und ist sogar noch günstig.

Giant Escaper

Als mein Sohn am nächsten Tag zum ersten Mal auf das Rad steigt, ist das augenscheinlich auch die erste Fahrt des historischen Bikes überhaupt. Man hört es deutlich am knackenden Entlasten der Speichen, die nach dem Aufspeichen noch nie vorher belastet wurden. Ein Gänsehautmoment und zwar nicht nur weil ich selbst solche Räder Ende der 80iger/Anfang der 90iger dutzendfach aus dem Karton gezogen und aufgebaut habe. Es ist wie eine Zeitreise. Auf den Schalthebeln klebt noch die Schutzfolie von vor rund 30 Jahren. Der Rahmen weist von der Lagerung ein paar Lackplatzer auf – ansonsten ist das Bike in einwandfreiem Zustand. Ich datiere das Rad auf das Jahr 1990, bekomme aber durch einen Tweet eine andere Einschätzung zum Alter und Hinweise zum Werdegang des Rades. Demnach ist es wohl ein 89iger Modell, dass aufgrund der dynamischen Entwicklung damals seinen Weg nach Ungarn gefunden hat. Dort ist es jetzt jedenfalls in guten Händen.

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