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Partizipation und Rad-Café

Schon früh nach dem Start des Rad-Cafés in Varel ist bei mir eine weitere Beobachtungsebene aufgegangen. Und zwar in Sachen Partizipation und Beteiligung. Themen, die mich immer wieder bewegen und begeistern. Ich habe den Ort und die Initiative von Beginn an und auch konzeptionell als Ort der Begegnung und des Austauschs angelegt. Und auch das Angebot sich selbst aktiv einzubringen, beinhaltet ja den Aspekt der Beteiligung und aktiven Mitgestaltung. Während zum Beispiel Veranstaltungen und Ausstellungen rund um das aktuelle Radverkehrskonzept bewusst von mir akquiriert wurden, um Partizipation an diesem Ort zu ermöglichen, kamen bald Formate hinzu, die den Ort selbst als Einladung zur Beteiligung verstanden. So gab es Netzwerktreffen unterschiedlicher Institutionen, Arbeitstreffen und auch lockere Zusammenkünfte. Eine Klima-Community war zu Gast und die Übergabe von Rädern an geflüchtete Kinder fand im Rad-Café statt.

Bürgermeister Wagner bei der Eröffnung der Ausstellung zum Radverkehrskonzept der Stadt Varel im Rad-Café. Bild: Stadt Varel

Radverkehrskonzept Varel

Die Stadt Varel hat 2022 ein Radverkehrskonzept beschlossen. Ich war Teil der Arbeitsgruppe, die sich im Vorfeld der Beschlussfassung mit dem Konzept befasst hatte. Und habe – nicht nur vor dem Hintergrund der Corona bedingten Herausforderungen – auf den Bedarf einer viel stärkeren öffentlichen Beteiligung hingewiesen. Für mich war es daher nur folgerichtig, das Rad-Café auch für einen solchen, aus meiner Sicht niederschwelligen, Beteiligungsansatz zur Verfügung zu stellen. Nach einer gut besuchten Auftaktveranstaltung zum Thema Konzept, gab es zu den Öffnungszeiten eine mehr als zwei wöchige Ausstellung, die für viel Aufmerksamkeit sorgte. Menschen haben sich extra für die Ausstellung auf den Weg ins Rad-Café gemacht, manche haben sich regelrecht verabredet, andere gerieten eher zufällig in einen intensiven Meinungsaustausch oder studierten intensiv die ausgedruckten Papiere. Auffällig war das mehr oder weniger ausgeglichene Geschlechterverhältnis sowie das breite Altersspektrum.

Auftaktveranstaltung zum Thema Radverkehrskonzept im Vareler Rad-Café. Neben Stadtverwaltung mit Bürgermeister, Bauamt und neuem Klimaschutzmanager, waren auch die Planer, Vertreter der Agenda-Gruppen und eine Reihe Interessierter vor Ort.

Innovation Cycle

Passend zum Thema Radverkehr, haben wir ein Innovation Cycle in Varel durchgeführt und sind der Frage nachgegangen, wie nachhaltige Mobilität in einer Kleinstadt gestaltet werden kann. Das Beteilgungsformat diente dem Austausch und der Ideenfindung im Bereich „Mobilität auf dem Land“. Auf einer Tour durch die Stadt, waren aktuelle Projekte wie die Umgestaltung des Güterschuppens zur Fahrradstation ebenso Anlaufpunkte wie bemerkenswerte Initiativen an unterschiedlichen Stellen in der Stadt. Es gab eine Vielzahl von Ideen. Neben Sharing-Initiativen und autofreien Veranstaltungen war mein persönlicher Favorit der Ansatz, Leerstände temporär als „Fahrrad-Garderobe“ – als sichere Abstellanlage – für Fahrräder zu nutzen.

Klein aber fein: das Innovation Cycle in Varel wetterbedingt zunächst als Indoor-Variante, bevor es aufklarte und sich die Teilnehmer:innen auf den Weg durch Stadt und Land machten. Natürlich per Rad.

Stadt und Stiftung

Die örtliche Barthel Stiftung hat die Vorteile des Begnungsraumes mitten im Zentrum und buchstäblich im „Schaufenster“ ebenso für sich erkannt, wie zum Beispiel die Wirtschaftsförderung der Stadt. Das Rad-Café im „Schaufenster Varel“ – von innen nach außen und andersherum offen und transparent – bietet in diesen Tagen Platz für eher informelle Zusammenkünfte und auch strukturierte Arbeitstreffen mit Vorträgen und Ausstellungen. Dabei passten die Themen der Treffen unmittelbar inhaltlich, weil zum Beispiel Fahrrad spezifische Themen besprochen wurden. Und auch, wenn es zum Beispiel um die Pläne der Stiftung für die neu zu gestaltende so genannte Börse geht, sind Themen wie Partizipation, Co-Working und vieles mehr im Rad-Café irgendwie passend aufgehoben. Auch im April soll daher das Rad-Café für eben solche Veranstaltungen genutzt werden. Das ist kein Widerspruch zum Abschluss der öffentlichen Pop-Up-Phase, sondern eine andere Art und Weise des Experimentierens.

Rad-Übergabe Rotary

Die Schüler:innen der Schülerfirma der Oberschule Varel hatten die Räder für ihre geflüchteten Mitschüler aufbereitet. Übergeben wurden die ersten Fahrräder im Rad-Café. Ein geeigneter Ort, um für das Vorhaben zu werben, Unterstützter, Presse und Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und auf diese Art und Weise zum Beispiel weitere Sachspenden einzuwerben. Weil immer wieder Ersatzzeile benötigt werden, beteiligt sich auch der örtliche Rotary-Club finanziell an der Aktion und unterstützt das Vorhaben ideell.

Klima-Community

Zuletzt machte sich die Klima-Community meines eigenen Unternehmens auf den Weg ins Rad-Café. Die freiwillige und selbst organisierte Initiative von Mitarbeitenden, habe ich einst selbst mitbegründet. Die Kolleginnen und Kollegen nahmen das Pop-Up-Rad-Café als willkommenes Ausflugsziel und Möglichkeit für ein persönliches Wiedersehen. Ein informelles Treffen an einem besonderen Ort, das auch gut mit weiteren Veranstaltungen an diesem Tag harmonierte.