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Blogbeiträge / Menschen Unternehmen

Innovation Cycle

Am Ende ist es nur Radfahren. Ob alleine, in der Gruppe, auf langen Strecken, im Alltag, in der Stadt oder draußen in der Natur. Und doch passiert bei diesen Gelegenheiten mehr als das man sich fortbewegt von A nach B. Und zwar nicht nur im eigenen Körper und im Kopf, sondern auch mit mir im Raum und in der Interaktion mit anderen. Ich behaupte: Rad fahren ist mehr als die Fortbewegung mit der zweifelsfrei effizientesten Maschine. Das Gesehene und Erlebte bleibt aufgrund der Besonderheiten des Radfahrens anders und besser im Gedächtnis – es wird tatsächlich erlebt und durchlebt und mit Sinneseindrücken verbunden. Rad fahren ist mehr und ich frage mich, ob man das methodisch nutzen kann. In diesem Beitrag führe ich aus, warum es einerseits nur Radfahren ist und andererseits Radfahren etwas besonderes ist.

Per Rad den Kopf frei bekommen

Ich schwing mich abends noch einmal kurz aufs Rad. Um den Kopf frei zu bekommen. Vielleicht auch um etwas zu erledigen, jemanden zu treffen oder auch mit jemand anderem in Bewegung gemeinsam Zeit zu verbringen. Fast jeder kennt das: nach wenigen Minuten schon, scheint sich ein anderer Modus einzustellen. Auf langen Touren alleine, bemerkt man schon bald einen fast hypnotischen Effekt. Gemeinsam erlebt man lange Touren über viele Kilometer oder sogar mehrere Tage noch einmal ganz anders. Radtouren haben für sich genommen in aller Regel schon eine eigene Geschichte. Und das liegt nicht nur an dem, was passiert, sondern vor allen Dingen an dem was man sieht, erlebt, empfindet. Radfahren an sich ist dynamisch. Niemand würde das ernsthaft in Frage stehlen, glaube ich. Und kaum jemand würde diesem Umstand ernsthaft Bedeutung beimessen. 

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Beim Radfahren passiert was

Geschichten von Radtouren sind Geschichten vom Reisen. Und sei die Reise noch so kurz. Selbst der Weg zum Bäcker, ist durch die eigenständigen Bewegung, den Fahrtwind und die Sinneseindrücke ein kleines Erlebnis. Und obwohl sich gehirnphysiologisch erst nach ca. 30 Minuten durch die Gleichförmigkeit der Bewegung und zumeist geringe Belastung wirklich etwas ändert, treten schon vorher erkennbare Aspekte auf. Ist man gemeinsam unterwegs wird das unter Umständen sehr viel schneller deutlich. Beim Radfahren passiert etwas. Man kann schwer beschreiben was genau, aber irgendetwas passiert mit einem selbst, im Zusammenspiel mit Mitfahrern oder in der Begegnung mit anderen. Etwas, das im Zug, Bus oder im Auto so nicht stattfindet. Und zwar, weil man mit diesen Fahrzeugen nicht aus eigener Kraft in Bewegung ist, nicht im gleichen Maße flexibel – z.B. frei, einfach einmal anzuhalten, in unterschiedlicher Konstellation nebeneinander zu fahren o.ä. – oder einfach an der frischen Luft ist. Rad fahren unterscheidet sich grundsätzlich von jeder anderen Fortbewegungsart. Durch die Effizienz des Geräts sogar wesentlich vom Gehen oder Wandern.

Dynamik in der Gruppe

Und wer schon einmal in einer größeren Gruppe unterwegs gewesen ist, stellt fest, dass dies noch einmal andere Effekte hat. Gruppendynamische Effekte, die man gut beobachten und sich in Hinblick auf Fragen des Zusammenhalt und  der gegenseitigen Unterstützung auch zu Nutze machen kann. Mir bleibt immer der Bericht eines Hochschulprofessors im Gedächtnis, der die Abschlussveranstaltung immer als mehrtägige Exkursion per Rad plante und nach eigenem Bekunden viele der Studierenden und diese sich untereinander noch einmal ganz anders kennen gelernt haben. Gemeinsame Nachtfahrten, so genannte Nightrides, Critcal Mass-Ausfahrten, aber auch geführte Radtouren unterschiedlichster Art – alle diese Formate leben von den Besonderheiten des Radfahrens ebenso wie von den gruppendynamischen Effekten. Und si alle blieben den Teilnehmern durch diese Besonderheit oft lange im Gedächtnis. Wiederum, ohne dass man sich in der Regel darober große Gedanken  macht. Es macht Spaß, es ist erlebnisreich, prägnant. Aber immer nur Radfahren. Ist das wirklich so?

Wissen vermitteln, Neues „erfahren“

Geführte Radtouren unter dem Motto „auf den Spuren von“, sind keine neue Erfindung. Ich habe bereits vor einigen Jahren selbst entsprechende Formate angeboten und zum Beispiel auf einer Tour „Auf den Spuren der Industriekultur“ viele Beobachtungen gemacht, denen ich aber keine große Bedeutung beigemessen habe. Und zwar sowohl in Hinblick auf die Interaktion in der Gruppe, als auch in Bezug auf die Diskussion des Gesehenen und des übermittelten Wissens. Tatsächlich spielt auch die Unmittelbarkeit eine entscheidende Rolle: selbst wenn ich historische Orte besuche oder an einer aktuellen Veranstaltung teilnehme – alles passiert im Hier und Jetzt. Eine Radtour kann man mit der Gesamtheit des Erlebten nicht dokumentieren und z.B. später nachlesen oder sich selbst erarbeiten. Historische Orte finde ich so auf, wie sie heute sind. Selbst zukünftige Entwicklungen, Stätten der Innovation besuche ich heute. Sie werden dadurch erlebbar. Liegt da der Schlüssel für entsprechende Formate?

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Prototyp „Innovation Cycle“

Wir haben es ausprobiert. Ein Format, das es erlaubt sich neue Zusammenhänge zu erschließen, z.B. auch Unternehmen, Arbeitsmethoden, Regionen usw. kennen zu lernen und im wahrsten Sinne des Wortes zu erfahren. Wenn man es in einem solchen Portotypen konkret beobachtet, stellt man fest: individuelle, nicht-planbare, von den Teilnehmern und deren Zusammensetzung sowie von Umgebung, Zeit, Wetter etc. bestimmte Rahmenbedingungen führen zu einem unverwechselbaren, hochindividuellen und exklusiven Erlebnis. Klingt kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach: wo sonst ist man selbst (durch eigenständigen Kraftaufwand) in Bewegung und sieht etwas, bzw. erarbeitet sich etwas, wenn nicht bei einer gemeinsamen Tour mit dem Rad? Der Besuch unterschiedlicher Stationen, wird durch bewegungsintensive Unterbrechungen gut verarbeitbar. Die Interaktion untereinander, das Gespräch und der Austausch tragen ihren Teil genauso dazu bei, wie die Sinneseindrücke der Umgebung. Und am Ende ist es nur eine Radtour. Mehr nicht…

Ein weiteres Innovation Cycle fand anlässlich des Cargobike-Festivals in Groningen 2019 statt.

www.logistiklotsen.de Logbucheintrag vom 5. September
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