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Blogbeiträge / Radverkehr

Radverkehrskonzept: Struktur durch Hauptradroutennetz

Bei der Erstellung eine Radverkehrskonzepts für eine Kleinstadt, spielte neben dem Aspekt der Sicherheit für Rad fahrende Kinder, die Entwicklung eines Hauptradroutennetz´ eine wesentliche Rolle. Auf der Basis einer Reihe von Workshops mit interessierten Bürgern, ebenso wie mit Rat und Verwaltung, öffentlichen Befragungen und solchen insbesondere der Kinder und Jugendlichen, kamen zahlreiche Verbesserungsvorschläge zusammen und neuralgische Punkte wurden benannt. Vom Angebot sich online an der Entwicklung des Konzeptes und dessen Fortschreibung zu beteiligen, wurde ebenfalls Gebrauch gemacht, so dass nach einiger Zeit die Herausforderung vor allen Dingen darin lag, dem Konzept und Verbesserungsvorschlägen eine handhabbare Struktur zu geben. Einerseits, um eine inhaltliche Überfrachtung zu vermeiden, andererseits um eine schrittweise Umsetzbarkeit und letztlich auch Finanzierbarkeit gewährleisten zu können. Hier standen die Aktiven vor einer echten Herausforderung. Es sollte nach Möglichkeit nichts unter den Tisch fallen und gleichzeitig zeitnah Schritte zur Umsetzung vollzogen werden können. Die Lösung war die Entwicklung eines Hauptradroutennetzes, das die einzelnen Ortsteile mit dem Zentrum und auch untereinander vorsah. So entstanden neben einem sternförmigen Konstrukt, zwei ringförmige Verbindungen um die betrachtete Stadt. Lücken im Radverkehrssystem wurden damit ebenso deutlich, wie wiederkehrende neuralgische Muster.

Öffentlichkeit herstellen und auf die Bearbeitung eines Radverkehrskonzeptes aufmerksam machen: Fahrradtage, -touren, öffentliche Sitzungen, Arbeitsgruppen mit Rat und Verwaltung bis hin zu online Beteiligungsmöglichkeiten, bilden das gesamte Spektrum ab

Struktur für Radverkehrskonzept

Das Problem eines Radverkehrskonzeptes liegt einerseits in der Bestandsaufnahme und möglichst breiter Beteiligung. Gelingt beides, geht es bald darum der Komplexität und Fülle, teils unterschiedlicher Anforderungen und Anmerkungen, Herr zu werden. Erst dann geht es um Lösungen, Prioritäten und am Ende Plan- und Finanzierbarkeit sowie die Fortschreibung des Konzepts.
Mit einer Reihe von Workshops und Beteiligungsmöglichkeiten hatte die Aktionsgruppe aus Lokaler Agenda und örtlichem ADFC die ersten beiden Hürden – Bestandsaufnahme und Beteiligung – genommen und musste sich nun fragen, wie man der anstehenden Anforderung gerecht werden kann. Man entschied sich, mit der Breite an Teilnehmern an einem möglichst detaillierten Hautradroutennetz zu arbeiten. Das klingt einfacher, als es bei genauer Betrachtung ist. Welche Wege legen Radfahrer zu welchem Zweck innerhalb der Stadt zurück? Welches sind die geeigneten Streckenführungen, welche Alternativen gibt es und vor allen Dingen: wie findet eine Entscheidung ohne fachlich-planerische Grundlagenermittlung statt? Am Ende war es eine Mehrheits- und damit eine Ermessensentscheidung des Bearbeitungsteams und letztlich der kritische Pfad bei der Entwicklung des Radverkehrskonzepts. Denn die Bearbeitung ist zeitintensiv und die Diskussionen oft ermüdend. Die Teilnehmer waren alle ehrenamtlich und mit großem Engagement bei der Sache und doch merkte man deutlich, dass der Prozess mehr als einmal vor dem Scheitern stand. Er zog sich über mehrere Monate.

Umgestaltung von Straßen: nicht alle Maßnahmen rund und ei Radverkehrsförderung müssen teuer und aufwendig sein. In diesem Fall hatte die Umgestaltung ohnehin kaum positive Effekte für den Radverkehr (siehe unten).

Hauptradroutennetz für Musterlösungen

Letztlich hat sich die Mühe aber gelohnt. Das Hauptradroutennetz ist Dreh- und Angelpunkt des Radverkehrskonzepts. Aus dem Teil, der die Sicherheit Rad fahrender Kinder betrifft, gibt es zahlreiche Verweise und auch die Betrachtung von Freizeit und Tourismus, würde ohne diesen inhaltlichen Kern zu kurz greifen. Mit den Hauptradrouten hingegen bekommt die Arbeit eine Struktur und klare Anknüpfungspunkte für die Zukunft. Es ist möglich, Route für Route zu betrachten, durch fachplanerische Unterstützung Defizite in der Vorplanung hinter sich zu lassen, Kosten zu ermitteln und Leuchtturmprojekte umzusetzen. Auf diese Art und Weise ist Platz für besonders innovative Lösungen und auch konservative Ansätze. Beides kann Schritt für Schritt evaluiert werden und  das Vorgehen bei der nächsten Route angepasst werden. Auch erlaubt das Radroutennetz eine Priorisierung. Anstatt alles auf einmal zu betrachten, können besonders vielversprechende Abschnitte ausgewählt werden.

Das all dies nicht passiert ist, hat weniger mit dem gewählten Ansatz als mit dem mangelnden politischen Willen zur Umsetzung zu tun. Eine Fachplanung auf der ersten ausgewählten Route, führte zu teils harschen Einschätzungen durch das beauftragte Fachplanungsbüro. Es war das erste Mal, das aus der Arbeit für das Radverkehrskonzept heraus Kosten entstanden sind. Nutzen haben sie keinen gestiftet: die Betrachtungen sind in der fast schon legendären Schublade verschwunden und wurden nie einer detaillierten Betrachtung zugeführt. 

Die Ergebnisse dieses Teils aus dem Radverkehrskonzept hier wieder zu geben, scheint wenig zielführend. Insofern wird auf den ersten Blogbeitrag in dieser kleinen Serie und die Möglichkeit des Downloads des Konzepts verwiesen.

Aus einer einladenden, breiten Flaniermeile im Zentrum, wird ein Hindernisparcours mit abgestellten Fahrzeugen 

Folgende Teile gehören zu dieser Serie
How to – ein Radverkehrskonzept für eine Kleinstadt
Radfahren – sicher vor allen Dingen für Kinder
Radtourismus und Radverkehrsförderung
Radverkehr: irgendwo stecken geblieben