Hand aufs Herz: wann warst du das letzte Mal im Museum? Ich war wie berichtet erst kürzlich im neu eröffneten Weinberghaus in Varel (aktueller Beitrag) und der letzte Besuch davor, ist auch noch nicht so lange her. Denn ich durfte Ende Mai das neu eröffnete Stadtmuseum Oldenburg (SMO) besuchen. Seitdem hänge ich da ständig rum – aber nicht so wie ihr jetzt vielleicht denkt. Obwohl sich das Stadtmuseum dafür jetzt hervorragend eignet. Mehr dazu im Text, bei dem es um „alte Knochen“ geht. Und davon davon handelt, nicht alles – schon gar nicht sich selbst – zu ernst und zu wichtig zu nehmen. In diesem Sinne geht´s zum Schluss sogar „um die große Liebe“ und schließt mit einer Hörempfehlung.
„Für mich als Alltagskulturforscher ist so ein Fahrrad in Anführungszeichen meine ´Mona Lisa´.“
(Eike Lossin, Landesmuseum Oldenburg im NDR)
Ein Fall fürs Museum I
Die Geschichte des „1. Oldenburger Mountainbikes“ und wie es seinen Weg in mein Wohnzimmer fand, habe ich hier schon aufgeschrieben. Letztes Jahr ist es 40 Jahre alt geworden und jetzt ist es amtlich ein Fall fürs Museum. Das Oldenburger Landesmuseum für Kunst&Kultur im Schloss richtet im kommenden Jahr eine 90er-Jahre Ausstellung aus. Die Kuratoren haben das Rad begutachtet und möchten gerne, dass es Teil der Ausstellung wird – weil es selbst ein Stück Oldenburger Geschichte darstellt. Und obgleich es aus den 80er-Jahren stammt, steht es stellvertretend für den Mountainbike-Boom, der bis in die 90er die Huntestadt geprägt hat. Und als erstes MTB, das Custom Made in Oldenburg hergestellt wurde – kein Rad von der Stange also – kommt ihm ein besondere Rolle zu. Nach der Begutachtung durfte ich das Rad aber zunächst wieder mit nach Hause nehmen und ins Wohnzimmer hängen: die Ausstellung ist erst in der zweiten Jahreshälfte 2027. Es werden übrigens noch Alltagsgegenstände gesucht. Oldenburgerinnen und Oldenburger können noch bis in den Dezember mit ihren Objekten aus den 90ern vorstellig werden. Mehr dazu im Beitrag von NDR Kultur, deren Redakteurin sogar bei der Vorstellung des Fahrrades dabei war und den verlinkten Beitrag gemacht hat.

Ein Fall fürs Museum II
Kürzlich wurde das neu gebaute Stadtmuseum in Oldenburg (wieder-)eröffnet und seitdem hänge ich da auch ständig rum. Und zwar nicht persönlich, sondern in Wort und Bild. Vielen Dank an dieser Stelle an verschiedene Freunde und Bekannte, die mich darauf aufmerksam gemacht haben, dass ich augenscheinlich ein Fall fürs Museum bin. Hintergrund ist die Zusammenarbeit mit dem SMO in der Zeit des Neu- und Umbaus. Als das Stadtgebiet unter dem Motto „Museum findet Stadt“ als Ausstellungsfläche genutzt wurde. In dem Zusammenhang gab es dann 2024 eine Ausstellung zur Geschichte der Tankstelle in der Kaiserstraße am damaligen Frankys und später im Jahr anlässlich des allerersten Kiezfestes die „Nacht der Museen“ mit zahlreichen Aktionen und unter anderem einem Live-Podcast. Mittlerweile ist das Oldenburger Stadtmuseum selbst ein Dritter Ort ohne Konsumzwang: im Erdgeschoss kann man sich tatsächlich ohne Konsumzwang aufhalten und die Atmosphäre genießen. Und einfach „rumhängen“.

Kein Fall fürs Museum
Ein weiterer Fall von „Fahrradliebe rostet nicht“, aber eben keiner fürs Museum, ist ein Cannondale Mountain-Bike, das mich schon seit 1991 in unterschiedlichen Lebenslagen begleitet. Ein Rad mit Geschichte. Es ist, wie ich erst kürzlich ermittelt habe, von 1988 und damit unwesentlich jünger als das Oldenburger Custom Built. Ich habe den Rahmen damals einzeln gekauft und später pulverbeschichten lassen. Dabei ging die eingestanzte Rahmennummer verloren, die Aufschluss über das Baujahr hätte geben können. Kürzlich fiel mir auf dem Dachboden der handschriftliche Kaufvertrag in die Hände, auf dem der Verkäufer, ein Freund von mir, die betreffende Nummer fein säuberlich notiert hatte. Das Rad hat schon Einiges mitgemacht, irgendwann ist sogar der Aluminium-Rahmen am Sattelrohr oben gebrochen und musste geschweißt werden. Ich habe es viele Jahre als Reiserad genutzt, damit ganz früh Triathlon (mit Slicks) betrieben und sogar als Jugendlicher Mountainbike-Rennen bestritten. Zuletzt war es für den Alltag ausgestattet mit Licht, Nabendynamo, Schutzblechen und Gepäckträger. Jetzt habe ich mich entschieden, es nach und nach in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Die historische Stahlgabel, hatte ich schon vor ein paar Jahren wieder eingesetzt. 1988 baute noch kein Anbieter Aluminiumgabeln, Federgabeln gab es auch erst später. Und nachdem ich jahrelang V-Brakes benutzt habe, sind jetzt wieder Cantilever verbaut. Und damit kommt auch die schöne Umlenkrolle auf der Unterseite des Vorbaus wieder zum Einsatz. Die U-Brake hinten ist noch original.
Es ist das Rad, das ich am längsten mein Eigen nenne und für mich ist es auch eine Geschichte von nachhaltiger Fahrradliebe. Und das nicht nur, weil Aluminium nicht rostet.




Nachgehört: lange Nacht zum Rad
Keine Lange Nacht der Museen, sondern eine lange Nacht mit Podcastbeiträgen gibt´s im Deutschlandfunk nachzuhören. Hier dreht sich alles rund ums Rad – und zwar fast drei Stunden lang. Den Tipp habe ich von Vanessa Giese, die unnachahmlich und fleißig tagesaktuell unter dem Motto „Draußen nur Kännchen“ bloggt. Und dann auch immer wieder wissens-, lesens- und hörenswertes teilt. Hört doch mal rein, vielleicht ist auch was für euch dabei. Zur Zeit ist Vanessa tatsächlich wieder selbst mit dem Rad unterwegs und auch diese Berichte (u.a. auf Insta) lohnen sich. Herrlich nahbar und unkompliziert.
Hier geht´s zur langen Nacht im Deutschlandfunk.
