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KI meint, ich soll noch ein Buch schreiben

Ich habe schon seit längerer Zeit darüber nachgedacht, ein weiteres Buch zu schreiben. Dieses Mal über die Erfahrungen mit Rad-Café und Pop-up. Aber mir fehlte ein ums andere Mal der richtige Impuls. Der kam jetzt von unerwarteter Seite.
Habt ihr ihr euch auch schon öfter gefragt, wo die Grenzen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) liegen oder wozu ihr diese Technik so wirklich, wirklich benötigt? Ich beschäftige mich quasi hauptberuflich damit. Und als es jetzt hieß, dass der Februar 2026 eine erneute Wende darstellt, dass man die Zeit in ein „davor“ und ein „danach“ einteilen wird – ähnlich wie nach dem ChatGPT-Momentum – habe ich erneut die KI „geknautscht“. Mich eingelesen und hingehört, ausprobiert und spielerisch gelernt. Und zwar mit „Claude Code“, das verspricht auch ohne eigene Programmierkenntnisse umfangreiche Entwicklungsarbeiten zu ermöglichen. Und nachdem ich erste Webseiten erstellt hatte (ohne, dass ich je so etwas programmiert hätte zuvor) und kleine Präsentationen, habe ich mich gefragt: was geht da noch? Kann die KI auch umfangreiche Informationen sinnvoll auswerten und zum Beispiel eine Storyline für ein Buch daraus extrahieren? Kann es am Ende so ein Buch sogar ganz eigenständig verfassen? Ich nehme die Antwort vorweg: kann sie nicht. Denn trotz umfangreicher Informationen, sind die persönlichen Erfahrungen eines natürlichen Menschen nicht ohne Weiteres nachzuzeichnen. Und das ist wohl auch der Grund, warum viele KI generierte Werke „seelenlos“ bleiben. Und wir doch lieber Geschichten von echten Menschen und authentischen Erfahrungen konsumieren. Von solchen Geschichten und Erfahrungen kann ich berichten und der erste Aufschlag der KI hat mir geholfen, Schwung aufzunehmen.

Erste Gehversuche: ich habe eine kleine html-Übersichtsseite mit Claude Code gebaut. Ich kann sie nicht mit euch teilen, sie liegt lokal auf meinem Rechner. Schreibe das so, als hätte ich Ahnung. Dabei kann ich nicht nicht programmieren, aber ausprobieren und lernen. Neugierig sein, kann ich gut. Und träumen auch.

Vom Traum zum Gestaltungsraum

Maschinen haben keine Träume, das ist uns Menschen vorbehalten. Und vielleicht ist es deswegen auch zutiefst menschlich, mit dem Teilen von Träumen und Sehnsüchten vorsichtig umzugehen. Mir ging das so, als ich einen Traum vom Rad-Café als abschließendes Kapitel meines Buches teilte. Als es dann kurz nach der Veröffentlichung tatsächlich die Gelegenheit zur Umsetzung gab, habe ich sie ergriffen. Und an zwei Pop-up Standorten tolle Erfahrungen gesammelt, die ich gerne in einem weiteren Buch verarbeiten möchte. Auch so ein zutiefst menschlicher Zug: Erfahrungen zu teilen und sich Ziele zu setzen – so wie ein weiteres Buch zum Beispiel.

Als ich dann da saß die Tage und lernte, dass die KI „Claude Code“ in einem Ordner auf dem Rechner arbeitet – genau genommen im Terminal, der untersten Ebene auf einem PC – habe ich zunächst mit überschaubaren Aufgaben angefangen. Ich habe eine kleine Webseite erstellt, auf der übersichtlich Links zu verschiedenen Inhalten dargestellt und aufgerufen werden konnten. Dazu muss man wissen, dass ich noch nie eine Zeile Code geschrieben habe in meinem Leben. Wenn man von den verjährten Erfahrungen mit Turbo Pascal in der Oberstufe absieht. Mit Claude Code ging das und noch einiges mehr, wie zum Beispiel Präsentationen aus bereit gestellten Dateien und Links. Ich wollte wissen: wo sind wohl die Grenzen und wie kann ich die verstehen?

Claude Code Erfahrung

Ich ließ die KI alle Artikel von Dezember 2022, also kurz nach der Veröffentlichung des Buches, bis einschließlich Dezember 2024 und damit nach Abschluss des zweiten Pop-ups aus dem Netz in einen Ordner als PDF exportieren. Das klappte leidlich gut, war aber eine ausgesprochen gute Übung, um sich mit der Technik auseinander zu setzen. Details führen hier zu weit, aber es lohnt sich so oder so, eigene Erfahrungen damit zu sammeln. Nachdem alles gespeichert und aufbereitet war, wollte ich wissen: kann die KI eine Struktur und Storyline für ein Buch aus den zur Verfügung gestellten Informationen entwickeln? Warum dieser Case für mich so spannend war? Ich kenne meine Blogartikel besser als jede andere Arbeitsgrundlage und ich kann anhand dieser Daten und der vitalen Erinnerung an die Zeit gut beurteilen, was die KI in der Lage ist da raus zu holen.

Und das war krass. Unter dem Titel „Vom Traum zum Möglichkeitsraum“, gab es einen Vorschlag für ein Buchkonzept mit fünf Abschnitten bzw. „Akten“ und einer Storyline mit insgesamt zwölf Kapiteln. Mit einem gesunden Abstand zur Materie – der mir ehrlicherweise oft noch fehlte – analysierte die KI die Daten und zeichnete die Geschichte nach. Technisch kam dabei eine html-basierte Präsentation heraus, die sich inhaltlich an den ersten Erfahrungen mit dem Rad-Café in Varel, über den Abschluss dort, bis hin zur Suche nach einer geeigneten Alternative und der Umsetzung des zweiten Pop-ups orientierte. Es gab acht konsolidierte Erkenntnisse, Vorschläge für Zielgruppe, Positionierung am Markt und konkrete Empfehlungen zur Umsetzung: Format, visuelles Konzept ein Werkzeug-Kasten-Anhang zugeschnitten auf die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe. Eine Vorlage, mit der ich in einen ernsthaften Pitch mit jedem Verlag hätte gehen können.

KI-Vorschlag für eine Struktur des Buches

Buch schreiben mit der KI?

Weil mir lange die nötige Distanz zu den unmittelbaren Erlebnissen fehlte, war ich noch nie so weit gekommen. Und auch jetzt war das ja eher ein Zufallsprodukt: ich wollte etwas über die KI lernen und nicht wirklich etwas Verwertbares produzieren. Und meine Neugier war geweckt: würde die KI das Buch auch schreiben können aus den gelieferten Materialien? Was wäre dafür erforderlich. Gibt es sie, die kreative Leistung auf Knopfdruck?

Die Antwort kam prompt: „Ich kann aus dem vorliegenden Material einen durchgehenden Buchentwurf erstellen — mit ausformulierten Kapiteln, narrativem Bogen und den Werkzeugkasten-Elementen. Das PDF enthält genug Substanz für die Grundstruktur.“ Aber es werden Dinge fehlen, gab die KI zu bedenken: andere Blickwinkel, persönliche Reflexionen, weitere Quellen. Die Antwort war also nein: die KI kann selbst nach eigener Einschätzung nicht tatsächlich Autor eines eigenständigen, authentischen Werkes sein.
Ich ließ die KI trotzdem schreiben. Einen durchgehenden ausformulierten Erstentwurf mit Markierungen und Hinweisen für mich als Autor. Als „…belastbares Arbeitsmanuskript, mit dem Autor und Verlag weiterarbeiten können.“

Neues Buch in Arbeit

Und das ist es geworden: eine durchaus inspirierende und umfängliche Grundlage, um damit weiter zu arbeiten. Innerhalb von knapp 15 Minuten, hat die KI das versprochene Manuskript geliefert. Schneller, als ich das jemals hätte erarbeiten können, hatte ich eine Arbeitsgrundlage, um genau da anzusetzen, wo die Arbeit als Autor anfängt und mit Lektor und Verlag weiter geht. 24 Seiten nur, aber doch so viel, dass ich jetzt anfangen kann ein Buch zu schreiben. Und das werde ich auch tun, weil nicht nur en passant eine große Hürde aus dem Weg geräumt wurde. Sondern auch, weil die Arbeitsgrundlage durchaus positiv auf die Motivation wirkt. Konzept und Storyline habe ich bereits genutzt, um die Idee bei meinem Verlag zu pitchen. Und auch mit meinem Lektor habe ich bereits Kontakt aufgenommen.