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Blogbeiträge

Wärmepumpe: Erste Erfahrungen

Die Themen Energieversorgung mit Solarenergie (PV), Stromspeicher und zum Beispiel Wärmepumpe, sorgen nach wie vor für „Traffic“. Nicht nur, aber auch im Kontext des Themas Klimaneutralität und in Verbindung mit Wirtschaftlichkeit und Technik. Während ich zur Umstellung der Energieversorgung hier bei uns am und im Haus schon dachte, ich käme mit meinem Beitrag auf LinkedIn „too late to the party“, wurde ich bald eines Besseren belehrt. Das Thema und die Diskussionen schlugen – für meine Verhältnisse – hohe Wellen auf dieser Plattform. Fast 35.000 Impressions erreichte der Beitrag damals, Anfang 2025, und ergab dutzende Kommentare. Es war ein wildes hin und her von Argumenten, Zweifeln – fast schon Anfeindungen. Ich hatte Mühe hinterher zu kommen.

Jetzt ist es tatsächlich noch zu früh, um ein „vernünftiges“ Fazit (technisch und wirtschaftlich) unter den Betrieb der Wärmepumpe, auch im Zusammenspiel mit PV und Speicher, zu ziehen. Das erste Jahr ist ja noch nicht einmal rum. Unabhängig davon, war ich beeindruckt davon, wie die Anlage bei Schnee und Eis und bis zu -12 Grad Celsius vor sich hin surrte und es drinnen mollig warm wurde. Warum hatte ich eigentlich so lange kein richtiges Vertrauen in die neue Heiztechnologie, beziehungsweise – warum haben wir nicht schon viele früher darauf gesetzt? Nun, vielleicht habe ich mich auch einfach verunsichern lassen. Oder die Frage, auf welche Technik man setzt, fußt doch mehr auf Vertrauen und Verfügbarkeit, als nur auf Zahlen und zum Beispiel Erfahrungen in anderen Ländern mit einer Vielzahl verbauter Einheiten.

Das wurde mir jetzt bewusst, als ich die aktuelle Erfahrung erneut auf LinkedIn teilte. 25.000 Impressions und eine Vielzahl Kommentare gab´s zum aktuellen Beitrag auf der Business-Plattform bislang. Die Engagement-Rate noch einmal deutlich höher, als bei dem (vermeintlich) kontroversen Beitrag vor gut einem Jahr.

Von der Verunsicherung

Egal ob Wärmepumpe, Solaranlage, Speicher oder gar Elektromobilität – die Themen werden teils so kontrovers und vor allen Dingen emotional diskutiert, dass man schnell den Überblick zu verlieren droht. „Ist ein E-Auto wirklich nachhaltiger als ein Verbrenner?“, „Bekommt man das Haus mit einer Wärmepumpe auch ohne Fußbodenheizung warm?“, „Rechnet sich eine Solaranlage, oder ist das alles Abzocke?“ – ich könnte ewig so weiter machen. Die Zweifel sind oft groß, die Dimensionen der Antworten oft noch sehr viel größer: Atom- und Kohleausstieg, globale Wirtschaft, Lieferketten. Bei dem Versuch abschließend Fragen auf die eigenen Antworten zu finden, scheitern nicht nur Menschen die keine Lust auf eigene Berechnungen oder umfangreiche Recherche haben. Ich behaupte: oftmals gibt es diese eine, objektive Wahrheit nicht. Vielmehr geht es um Vertrauen. Vertrauen, das schon in der öffentlichen Berichterstattung torpediert wird (Stichwort: „Heizungsgesetz“) und auch Vertrauen, zum Beispiel zu Handwerk und Anbietern. Denn machen wir uns nichts vor: Irgendwer muss diese Bauteile installieren, das mache ich in aller Regel ja nicht selbst. Und dass das dann so funktioniert wie versprochen und berechnet, hängt eben auch mit dem Vertrauen in die Ausführung und die Haltbarkeit der eingesetzten Geräte ab. Absolute Sicherheit gibt es da nicht und vieles von dem, was auf dem „Papier“ gut aussieht, erweist sich in der Praxis und im Alltag als untauglich oder störanfällig.

Mit Sicherheit warm

Zu Recht weisen unter dem Beitrag viele Nutzende darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit dass das nicht funktioniert mit den warmen Füßen im Haus, bei vielen zehntausend Anlagen, zum Beispiel auch im kälteren Skandinavien, eher gering ist. Und, dass man das natürlich alles im Voraus berechnen und sich informieren kann. Wer das nicht könne, sei am Ende selbst Schuld – der zahlt am Ende einfach mehr.

Ich fürchte, so einfach ist das nicht. wenn die Argumente für Wärmepumpen, Solar und Co. so stichhaltig wären und eine einfache Betrachtung zu Wirtschaftlichkeit und Technik zu einem unumstößlichen Ergebnis führten – ja, warum sind die Nutzungszahlen dann hierzulande nicht so hoch wie in Skandinavien. Nun, vielleicht weil die Leute zwar rechnen können, aber sich verunsichern lassen. Oder weil sie kein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der angebotenen Technik oder die verfügbaren Handwerksbetriebe haben. Denn auch die anderen kommen zu Wort. Bei denen es monatelang aufgrund eines Softwareproblems, Mangel am Ersatzteilen oder Fehlern bei der Installation zu Schwierigkeiten oder Ausfällen kam. Deren Vertrauen (und nicht nur die Berechnungen und Recherchen) zu keinem guten Ergebnis führten.

Und es gibt auch die, die seit 10, 12 oder seit über zwanzig Jahren problemlos mit der Wärmepumentechnik ihr Haus beheizen. Oder so wie wir nach dem Schneeschieben fasziniert vor der Wärmepumpe stehen bleiben und begeistert dem leise surrenden Ventilator zuschauen.

Vorbild Skandinavien

Dass es viel um Akzeptanz und langfristige Strategien geht, macht tatsächlich das Beispiel Skandinavien deutlich. Hier sind Wärmepumpen quasi Standard. In Norwegen und Schweden gehören sie seit Jahren zur üblichen Heiztechnik und auch in Finnland sind diese weit verbreitet. In Dänemark findet ein starker Ausbau statt.

Ich komme nicht umhin einen, aus meiner Warte naheliegenden, Vergleich zu ziehen. Während wir hierzulande das Radfahren quasi bei unter 10 oder gar 15 Grad Celsius (Plus) einstellen, wird zum Beispiel in der nördlichsten Großstadt Europas ganz selbstverständlich das ganze Jahr Rad gefahren. Wohlgemerkt bei Schnee und Eis. Auch, weil man seit Jahren und Jahrzehnten daran arbeitet, das Radfahren sicher und bequem zu gestalten. Dafür werden dann die entsprechenden Wege für Rad- und auch Fußverkehr vorrangig geräumt und, sobald es geht, auch Routen über zugefrorene Eisflächen eingerichtet. Weil es einen Konsens zu geben scheint, dass das für alle Bevölkerungsgruppen eine sinnvolle Fortbewegungsart ist. Es fahren dann mehr Frauen als Männer Rad und vor allen Dingen Kinder ab der 1. Klasse und Jugendliche auf täglichen Wegen.

Mein Plädoyer: anstatt Unsicherheit zu schüren und Vertrauen zu untergraben, sollten wir in einem Fall (Erneuerbare/alternative Heiztechnik) wie im anderen (nachhaltige Mobilität), die Vorteile betonen, Chancen suchen und so Akzeptanz fördern. Nur das führt zu breiter Beteiligung und letztendlich Einsparungen für jede und jeden Einzelnen und auch für die Gesellschaft insgesamt.

Einen aktuellen Podcast zur nördlichsten Großstadt Europas, samt Feature zum Thema Radverkehr, gibt´s hier.